Parteien fordern Legalisierung von Cannabis in Hamburg

9. Mai 2015, St. Pauli Blog / Hamburger Abendblatt: Parteien fordern Legalisierung von Cannabis in Hamburg (ganzer Artikel mit Bericht vom Hanftag)

Quelle: Hamburger Abendblatt/ Irene Jung

St. Pauli Blog: Treffen sich auf dem Hanftag nur Kiffer?

Mareike Engels: Menschen, die für die Legalisierung sind, müssen nicht notwendig Kifferinnen oder Kiffer sein. Ich gehöre zu denen, die akzeptieren, dass Menschen konsumieren. Da möchte ich Schadensprävention betreiben.

Die Hamburger Grünen haben vor der Bürgerschaftswahl ein Modellprojekt zur kontrollierten Cannabis-Abgabe an Erwachsene gefordert. Wurde das in den Koalitionsvertrag übernommen?

Engels: Wir haben mit der SPD vereinbart, dass wir im Gesundheitsausschuss die Idee für ein Modellprojekt zur kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene debattieren. In der vergangenen Legislaturperiode hatten wir dazu bereits einen Antrag gestellt und ich hoffe, dass wir eine konstruktive Debatte führen.

In Berlin Kreuzberg-Friedrichshain wurde so ein Modellprojekt schon angeschoben. Gucken Sie da ein bisschen hin?

Engels: Erfahrungswerte werden wir uns da sicherlich angucken, gerade weil so ein Modellprojekt auch vom Bund genehmigt werden muss. Die Debatte darüber steht jetzt im Gesundheitsausschuss an. Ich hoffe, dass sie dort fachlich fundiert geführt wird.

Was ist für Sie persönlich der Grund, sich für die Legalisierung einzusetzen?

Engels: Ich halte besonders die Punkte Verbraucherschutz und Jugendschutz für wichtig. Verbraucherschutz deshalb, weil: Wenn wir eine kontrollierte Cannabis-Abgabe in Fachgeschäften haben, kann nicht gepanscht und gestreckt werden. Es hat Fälle gegeben, wo Dealerinnen und Dealer Blei unter den Stoff gemischt haben und die Konsumentinnen und Konsumenten dann Bleivergiftungen hatten. Von einer kontrollierten Abgabe verspreche ich mir einfach mehr Schutz für die Konsumierenden. Sie können sich in Fachgeschäften zum Beispiel über Nebenwirkungen beraten lassen oder über Gefahren, wenn sie Krankheiten haben und Medikamente nehmen. Die bessere Information könnte auch durchaus dazu führen, dass weniger konsumiert wird. Und eine kontrollierte Abgabe würde auch einen besseren Jugendschutz gewährleisten. Die Dealerinnen und Dealer auf der Straße fragen nicht, wie alt jemand ist, die verkaufen selbst an Zwölfjährige. Bei einer kontrollierten Abgabe könnte nicht an Minderjährige verkauft werden.



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