Bericht: Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Sieversstücken

Im Bezirk Altona leben mehrere Hundert Flüchtlinge. Um uns ein eigenes Bild von der Situation vor Ort und der Qualität der Unterbringung zu machen, besuchte ich zusammen mit der grünen Wahlkreisabgeordneten Filiz Demirel und den Bezirksfraktionsmitgliedern Michael Klanck und Dr. Ingo Lembke die Unterkunft im Sieversstücken. 
Bericht von Ingo Lembke und mir:

Die Krisenherde, v.a. in der arabischen Welt und in Nord-Afrika, sorgen für steigende Flüchtlingszahlen. Menschen flüchten vor Krieg und Vertreibung und erwarten zu Recht die Solidarität der Länder, wo es sich sicher leben lässt. Uns GRÜNE treibt daher verstärkt die Fragen um, wie wir für eine angemessene Unterbringung sorgen können und Flüchtlinge die Sicherheit und Ruhe bieten können, die sie nach all ihren Strapazen verdienen. In Hamburg diskutieren wir über Flächen, Container und Polizeirecht.
Um uns vor Ort ein Bild zu machen, waren wir im Oktober zu Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Sieversstücken in Sülldorf.
Bei unserem Besuch wird uns sofort klar, wie groß das Engagement der Nachbar_innen aus den angrenzenden Stadtteilen ist. Im Gemeinschaftshaus und auf dem Hof herrscht reges Treiben: Autos fahren vor, Säcke voller Kleider werden ausgeladen. Ehrenamtliche teilen Kuchen und Brot aus, betreiben die Kleiderkammer und helfen Flüchtlingen z.B. beim Ausfüllen von Formularen.
Organisiert wird dies größtenteils vom Runden Tisch Blankenese, wo sich auch Helga Rodenbeck engagiert. Sie ist Sozialarbeiterin im Ruhestand und nun nur noch ehrenamtlich aktiv. Sie ist so etwas wie die gute Seele des Dorfes, die viele kennt, grüßt und mit vielen Anliegen angesprochen wird. Nach unserem Besuch hat unsere Fraktion sie wegen ihres 25-jährigen Engagements für den Björnsonweg und den Runden Tisch Blankenese für die „Verleihung der Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes“ vorgeschlagen.
Die Bezirksversammlung ist dem mit einem Beschluss am 30.10.2014 gefolgt. Helga Rodenbeck hat uns außerdem auf eine Foto-Ausstellung mit Portraits und Geschichten von Flüchtlingen aufmerksam gemacht. Wir setzen uns nun dafür ein, dass diese Ausstellung im Altonaer Rathaus gezeigt wird.Wir sprechen mit ihr sowie mit Carmen Giermscheit, eine engagierte Sozialarbeiterin in der Unterkunft und Torsten Grube, Bereichsleitung für Altona von fördern und wohnen.
Das Pavillondorf gibt es schon seit den 90er Jahren und bietet momentan 324 Plätze in 14 Häusern plus 40 weitere in zusätzlich aufgestellten Containern. Geplant ist eine zweite Flüchtlingsunterkunft auf dem Nachbargrundstück, die allerdings organisatorisch getrennt sein soll. In dieser Unterkunft gibt es lange Verweildauern. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, Ghana und Syrien, dann aus dem Irak und Iran. Zusätzlich leben in der Unterkunft einige deutsche Obdachlose.
Ein Schwerpunkt, der sich in der Unterkunft gerade entwickelt, ist die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und Jungerwachsenen. Eigentlich wäre aber ein zweites Jugenderwachsenenprojekt sinnvoll, weil immer mehr unbegleitete männliche Jugendliche und junge Erwachsene in Hamburg ankommen und eine besondere Aufmerksamkeit bedürfen.
In der Unterkunft gibt es glücklicherweise wenig Probleme. Die Bewohner_innen sind wohl den Umständen entsprechend recht zufrieden. Es fehlen allerdings Räumlichkeiten für Gemeinschaftsaktivitäten. Die Kleiderkammer befindet sich in einem ca. 10 Quadratmeter kleinen Raum.
Die Kleiderspenden passen kaum in diesen Raum, Platz zum Aussuchen und Anprobieren ist quasi nicht vorhanden. Ein Raum zum Sortieren und Aufbewahren wäre dringend nötig. Weiterhin gibt es keinen Gruppen- bzw. Spielraum für die Kinder.
Die Kinder in der Unterkunft besuchen die umliegenden Schulen, eine weitere Unterstützung durch Freiwillige ist aufgrund des Ganztagsbetriebs nur noch auf Abruf und nicht mehr als offene Hausaufgabenhilfe möglich.
Das nehmen wir politisch mit:
• Qualifizierung und Anschlussperspektiven für die Flüchtlinge
• Vermittlung in Wohnungen hapert
• Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit, diese sollte in den Einrichtungen möglichst professionell begleitet werden
• Mehr Öffentlichkeitsarbeit vom Betreiber f&w



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