Auf Sommertour in Altona

Die parlamentarische Sommerpause schaffte Platz im Terminkalender und Gelegenheit für meine Sommertour durch verschiedene Einrichtungen, die jede auf ihre Art für den sozialen Zusammenhalt in Altona sorgen.

Am 29.06. begleitete mich Manuel Muja (BT-Wahl Direktkandidat Hamburg-Mitte) beim Besuch des CaFée mit Herz e. V in St. Pauli. Im Gespräch mit Jan Marquardt (Geschäftsführer) und Bianca Platz-Wenck (Sozialarbeiterin für das Wohnprojekt) haben wir viel über die Arbeit für Obdachlose erfahren. Das CaFeé mit Herz ist im Kern eine Anlauf- und Tagesaufenthaltsstätte. Dort finden Obdachlose aber auch Sozialberatung, die Möglichkeit zum Duschen eine Kleiderkammer sowie ärztliche und zahnärztliche Versorgung und hat im Februar die Trägerschaft und Koordination vom Kältebus und dem Gesundheitsmobil übernommen. Im Winter hat das Cafee mit Herz mit 30 angemieteten Hotelzimmern Obdachlosen eine Alternative zur Unterbringung im Winternotprogramm angeboten. Im Wohnprojekt „Land in Sicht“ gibt es sechs spendenfinanzierte Wohnungen, die auf Zeit an Obdachlose vergeben werden, um von dort aus in Ruhe und mit Unterstützung einen neue Lebensperspektive zu entwickeln. Dieser Ansatz ist bisher so erfolgreich, dass weitere Wohnungen hinzu kommen sollen. Die Arbeit ist komplett spendenfinanziert und die Freiheit frei von Zuwendungszwecken agieren zu können, haben wir gut spüren können. Bei Instagram (LINK) findet ihr noch ein paar Eindrücke von unserem Besuch.

Mit mehreren Mitarbeiter*innen des Trägers Mowego Jugendhilfe konnte ich Anfang Juli im JuCa Bahrenfeld sprechen. Die Kontaktbeschränkungen und die Isolation waren für die offene Kinder- und Jugendarbeit sehr schwierig, denn die Angebote leben von offenen Strukturen. Wie viele andere Einrichtungen auch, hat das JuCa aber versucht bestmöglichen Kontakt zu ihren Stammnutzer*innen zu pflegen. Von Bastelpaketen bis Hot-Dog-Ausgabe haben sie sich einiges einfallen lassen. Im JuCa stand zuletzt die Lernförderung stark im Fokus. Jugendliche konnte die Räumlichkeiten buchen um in Ruhe zu lernen und konnten dabei auch Unterstützung bekommen. Lt. Den Pädagog*innen war zu beobachten, dass der Wunsch und die Freude (wieder) in die Schule zu dürfen, bei den Jugendlichen noch nie so ausgeprägt gewesen sei. Viele Jugendliche – gerade auch jene, die Hilfen zur Erziehung bekommen – hätten aber auch Angst- und Verhaltensstörungen entwickelt oder bestehende psychische Probleme hätten sich verstärkt. Auch ein Verlust an Entscheidungsfähigkeit sei stark zu spüren. Jugendlichen wurde viele ihrer Rechte genommen, aber die Pflichten seien geblieben.

Weitere Themen waren u.a. das Umzugsmanagement innerhalb von Fördern und Wohnen, da Kontaktabbrüche und Reintegration in neue Sozialräume für einige Jugendliche sehr schwierig seien – was ich gut nachvollziehen kann. Das war ja schon 2016 eines meiner Argumente für möglichst dauerhafte Integration in Nachbarschaften. Außerdem haben wir über gute Arbeit in der Jugendhilfe und bessere Verzahnung von sozialer Arbeit im Sozialraum gesprochen.

Am 12. August ging es wieder nach Bahrenfeld. Wie kaum in einem anderen Stadtteil haben in Bahrenfeld viele Geflüchtete eine Unterkunft bekommen. Von vielen Initiativen und sozialen Einrichtungen werden sie bei ihrer Integration unterstützt. Im Rahmen meiner Sommertour habe ich mir zwei Einrichtungen von Koala e.V. angeschaut, durch die nicht nur Geflüchtete unterstützt werden, sondern auch Langzeitarbeitslose bei ihrer Arbeitsmarktintegration und ihrer sozialen Teilhabe unterstützt werden.

Im Sozialkaufhaus BaNotke können bedürftige Menschen für kleines Geld Kleidung und Haushaltswaren kaufen oder einen Kaffee trinken oder sogar zu Mittag essen. Da im Sozialkaufhaus Menschen im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten (sog. Ein-Euro-Jobs) tätig sind, darf sich das Angebot des Kaufhauses nach den Vorschriften der Agentur für Arbeit leider nur an Menschen mit niedrigem Einkommen richten. In den Räumlichkeiten befindet sich auch das Büro vom Quartiersmanager und Multifunktions-/Veranstaltungsräume, die z.B. für Hebammensprechstunden, Nachhilfeangebote u.ä. von unterschiedlichen Initiativen und Anbietern im Quartier genutzt werden.

Im Park-Caféim Lutherpark arbeiten Menschen auf vom Jobcenter geförderten sog. 16i-Arbeitsplätzen – also sozialversicherungspflichtig und mit der Möglichkeit ein Angebot für alle anzubieten. Coronabedingt hatte das Park-Café einen schwierigen Start. Mit Hilfe des Integrationsfonds konnte das alte Gebäude saniert und im Februar 2020 eröffnet werden. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich neben dem Lutherpark und einigen Friedhöfen ein Pflegeheim von Pflegen & Wohnen, das alte Pflegeheim, in dem nun Wohnprojekte der Sozialbehörde untergekommen sind sowie die Holstenpunks, eine kleine Folgeunterkunft und eine Baugemeinschaft mit vielen Kindern. Es gibt einen großen Bedarf an gemeinschaftlichen nutzbaren Flächen, nicht nur für ehrenamtliche Aktivitäten, sondern auch für private Anlässe wie Geburtstags- oder Trauerfeiern. Zeitgleich konnte mit dem Park-Café ein sehr schönes Ausflugscafé geschaffen werden. Ich kann jedenfalls einen Abstecher ins Café empfehlen, die Räumlichkeiten sind aber z.B. auch für Kindergeburtstage gut geeignet. Neben dem gastronomischen Angebot, gibt es auch eine Bürgerküche, die für solche Anlässe genutzt werden kann.

Ebenfalls in Bahrenfeld war ich gemeinsam mit Linda Heitmann beim Q8-Quartiersmanagement (Link) zu Besuch. Im strömenden Regen sind wir mit Q8-Projektleiterin Lea Gies durch Bahrenfeld geradelt. Q8 ist ein Quartiersentwicklungsprojekt der Evangelische Stiftung Alsterdorf und ist nun nach guten Erfahrungen in der Neuen Mitte Altona und dem Holstenquartier in Bahrenfeld rund um die entstehende Science City tätig. Gearbeitet wird an der Frage: Wie können die Veränderungen durch Autobahn-Deckel und Science City Bahrenfeld genutzt werden, um als Stadtteil mehr zusammenwachsen. Q8 begleitet die Quartiersentwicklung und versucht v.a. Bürger*innen dabei zu unterstützen besser und gezielter für ihre Anliegen eintreten zu können sowie Menschen im Quartier so miteinander zu vernetzen.

Aus den Erfahrungen von Q8 habe ich für mich als Wahlkreisabgeordnete noch mal mitgenommen, dass das Beteiligungsverfahren noch mal niedrigschwelliger gestaltet werden muss und es bessere Rückkopplung im Verlauf geben muss. Gelingende Bürger*innenbeteiligung ist ja sowieso ein großes Thema. Wenn so viele Veränderungen anstehen, so viele Hoffnungen in diese Veränderungen gesetzt werden und zeitgleich der Prozess sehr lange dauern wird, ist es umso wichtiger, die Menschen vor Ort kontinuierlich gut einzubinden.



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