Schwanger? Bitte hinten anstellen!

TeilnehmerInnen formen eine Warteschlang beim Hebammen-Flaschmob in der Hamburger Innenstadt

Unter diesem Motto haben am Dienstag über 300 Frauen und auch einige Männer eine Warteschlange rund um den Mönckebergbrunnen gebildet. Der Grund: Sie wollten am Internationalen Hebammentag auf die mangelhaften Bedingungen rund um die Hebammenhilfe aufmerksam machen. Viele schwangere Frauen haben Probleme, überhaupt noch eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden. Und seitdem die Haftpflichtprämien in die Höhe geschossen sind, gibt es immer weniger Hebammen in der freien Geburtshilfe. Von einer selbstbestimmten Geburt kann oft kaum noch die Rede sein. Frauen werden immer mehr Steine in den Weg gelegt, ihr Kind in den eigenen vier Wänden oder in einem Geburtshaus zu Welt zu bringen. Dabei ist die freie Wahl des Geburtsortes eigentlich gesetzlich garantiert. Das alles waren (und sind) für mich als Feministin genügend Gründe, um auf die Straße zu gehen und am Flashmob des Hebammenverbands teilzunehmen.

Wer viel mit Schwangeren zu tun hat, kennt sicherlich die Klagen. Auch bei meinen Freundinnen haben einige nur schwer eine Hebamme gefunden. Hinzu kommt, dass bei der Suche nach einer Hebamme auch der Wohnort eine Rolle spielt. Wir müssen in Hamburg darauf achten, dass eine gleichmäßige Versorgung mit Hebammen in allen Stadtteilen besser gewährleistet wird, denn auch hier ist leider eine zunehmende soziale Spaltung zu verzeichnen. Für solche Probleme hat der Deutsche Hebammenverband eine „Landkarte Unterversorgung“ ins Netz gestellt. Dort können betroffene Frauen, die keine Hebammen finden, ihre Probleme melden.

Die Gesundheitsbehörde rund um Senatorin Prüfer-Storcks will dieses Problem jetzt in Angriff nehmen: Um die Situation in Hamburg auf eine eindeutigere Datenlage zu stützen, findet gerade eine Befragung der Hebammen durch die Behörde statt. Deren Ergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden. Ich hoffe, dass die neuen Daten einen besseren Aufschluss über die Versorgungslage in Hamburg geben und die flächendeckende Versorgung so stärker in den politischen Fokus rückt. Und im Bund wird sich der rot-grüne Senat für eine dauerhafte Lösung bei der Berufshaftpflicht stark machen.

Mareike Engels mit Susanne Lohmann vom Hamburger Hebammen-Verband. In der Hand ein Schild mit der Aufschrift "Geboren mit der Hilfe einer Hebamme"

Auf Bundesebene gibt es aber noch weitere Probleme, die die Wahlfreiheit beschneiden. Ganz aktuell wurden die Verhandlungen der Hebammenverbände mit den gesetzlichen Krankenkassen auf Bundesebene abgebrochen, weil diese die Finanzierung von Hausgeburten massiv beschneiden wollen. Dies würde de facto eine weitere Einschränkung des Rechts auf freie Wahl des Geburtsortes bedeuten.

Der Internationale Hebammentag hat mir noch mal eindrücklich gezeigt: Wenn es um die Selbstbestimmung von Frauen geht, bleibt auch in punkto Geburts- und Hebammenhilfe noch einiges zu tun. Es ist aber schön zu sehen, dass es so viele engagierte Frauen gibt, die sich für ihre Selbstbestimmungsrechte und für die Hebammen einsetzen.

Ursprünglich erschienen am 7. Mai 2015 im Blog der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion.